Selbstwert - unersättlich oder unerschöpflich - Haben oder Sein?
Selbstwert ist eine der teuersten "Waren" unserer Zeit. Unser Kunst- und Kultur-MARKT ist schillernde "Selbstwert-FABRIK" und HANDELSPLATZ zugleich.
Selbstwert wird aber auch in anderen Welten mit den "Währungen" Aufmerksamkeit und Bestätigung gemessen. Selbstwert wird an Status und Prestige, an Haben oder nicht Haben geknüpft und zahlungskräftigen Kunden und Kundinnen zum Kauf angeboten. Wer kein Geld hat, geht leer aus.
Da stellt sich im Umkehrschluss die Frage: Kann man Selbstwert haben, gewinnen, verlieren? Kann der Selbstwert eines Menschen von einem anderen Menschen aberkannt werden?
Ist die Würde des Menschen nicht unantastbar und damit gar nicht verhandelbar, geschweige denn käuflich zu erwerben oder gar zu stehlen?
Der Daumen nach oben im Zusammenhang mit "Für-gut-befunden-werden" existiert seit etwa 100 - 150 Jahren. Des Kaiser Neros Daumen bei den Gladiatorenkämpfen ist mehr Hollywood-Mythos, denn glaubhafte Überlieferung. Man sprach zwar vom "Pollice verso", dem gedrehten Daumen, aber welcher Richtung welche Bedeutung zugeordnet wurde, ist nicht bekannt.
Den global eindeutigen Like-Button als "sicht- und messbares Gut" gibt es seit 2009 und ihm wird im Netz wie auch analog nach Kräften nachgeeifert.
Der menschliche Drang nach Ruhm, Macht, Besitz und Anerkennung sind zeitlos. Die Heldenepen der Geschichte haben ein Lied davon zu singen.
Epochal aber wird es, wenn es uns gelingt, Selbstwert systematisch von all diesen "Währungen" zu entkoppeln und ihn damit auf seinen unantastbaren Kern herunterzubrechen.
Denn Selbstwert ist man, Selbstwert hat man nicht.
Wer Selbstwert an Haben und Leistung knüpft, der holt sich auch die Angst, einmal nicht mehr leisten, nichts mehr haben zu können, zu dürfen, zu wollen mit ins Boot.
Der gekaufte, an Status gebundene Selbstwert ist unersättlich. Weil er nicht an die unerschöpflich sprudelnde innere Quelle anknüpft, die um ihren Wert weiß - unter allen Umständen. Dieser paradiesische Zustand des Seins wird uns sehr früh abtrainiert. Verloren geht er nicht. Er gerät höchstens in Vergessenheit ...
Ich selbst bin ein sehr leistungsorientierter Mensch. Aber ich arbeite jeden Tag ein Stückchen mehr daran, diese Leistungsorientierung von meinem Selbstwert zu entkoppeln und damit in freudvolles Betätigen in meiner Wirklichkeit zu verwandeln. Mit all den positiven Folgen für mich und mein Umfeld.
Neugierig geworden? Dann machen Sie mit! :)
Nebenbei bemerkt ist der Daumen nach oben nicht in allen Kulturen positiv besetzt. In Teilen des Nahen Ostens kann diese Geste als Beleidigung verstanden werden. In Griechenland verband man den Daumen nach oben als Aufforderung zu gehen. Und in Japan stand der gehobene Daumen für die Zahl 5...
Präsentation zu Handwerk & Kreativität in historischer Improvisation | Studientage Improvisation, März 2026
Vortrag: Von Sinn, Einklang und Verrat - Homo oeconomicus versus homo ludens
Werden Sie Teil der "Regatta von Strategien und Archetypen" in kreativen Prozessen des Lebens. Denn Improvisieren tun wir nicht nur am Instrument, sondern auch bei der Organisation unseres Alltags - oftmals hart am Wind ... Je mehr Selbstwert wir dabei an Bord haben, desto leichter wird uns die Arbeit von der Hand gehen.
Hier finden Sie das Handout zum Vortrag. |